Über mich und meinen Werdegang

Meinen Werdegang stelle ich hier aus einer sehr persönlichne Perspektive dar. Ich möchte damit nicht ausschließlich Informationen über mich weitergeben, sondern manches auch dafür nutzen, meine Coachingprinzipien am konkreten Beispiel transparenter zu machen. Diejenigen, für die lediglich die harten (Ausbildungs-)Fakten interessant sind, finden hier jedoch eine Zusammenfassung:

  • Studium Bauingenieurwesen an der Universität Wuppertal, 1992-1997
  • Studium Environmental Design and Engineering am UC London, 1999-2000
  • Promotion an der TU München bei Gerhard Kaminski über die psychologischen Grundlagen des energierelevanten Handelns von Menschen in Gebäuden, 2013 abgeschlossen
  • Entwicklungszusammenarbeit südliches Afrika, 2008-2013
  • Post-Doc und Assistenzprofessor am Institut für Architektur an der Universität Liechtenstein, inklusive mehrfacher Auslandsaufenthalte als Gastwissenschaftler, Entwicklung kognitiver Handlungs- und Lernmodelle, 2014-2018
  • Triathlon Trainer C Lizenz, Fitness Trainer A Lizenz, Weiterbildung zum Ernährungsberater, 2018/2019
  • Ausbildung zum Neurosystemischen Körpercoach ( DBVC zertifizierte Weiterbildung) bei Rolf Krizian, 2018
  • Ausbildung zum Neurosystemischen Körpertherapeuten bei Rolf Krizian, 2020
  • Masterstudium Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Wuppertal, 2018 – 2021 (Abschluss vsl. 2021)


Mein beruflicher Werdegang als solches

Meine erste Station nach dem Abitur war das Studium des klassischen Bauingenieurwesens, absolviert zwischen 1992 und 1997 in Wuppertal. Da mich das konkrete Zusammenbauen von Häusern schon damals wenig interessierte, spezialisierte ich mich relativ bald auf Fragen des Energieverbrauchs. Nach einigen Jahren in entsprechend spezialisierten Planungsbüros in Köln und in Berlin und einem zusätzlichen Abschluss in Environmental Design am UC London, entschloss ich mich 2005, an der Bauingenieurfakultät der TU München zu promovieren.

Schwerpunkt Psychologie

Die Beschäftigung mit dem Energieverbrauch von Gebäuden hatte dazu geführt, dass ich mich für psychologische Fragestellungen zu interessieren begann. Die Frage des Energieverbrauchs ist eben keine rein technische, sondern ebenso eine sozialwissenschaftliche und damit eine solch komplexe, dass sie nur in einem universitären Umfeld angegangen werden kann. Die von Gerhard Kaminski betreute Dissertation zu den psychologischen Aspekten des Energieverbrauchs in Gebäuden schloss ich 2013 ab und wechselte anschließend an die Unversität Liechtenstein. Dort entwickelte ich weiterhin psychologsiche Lern- und Handlungsmodelle in Kooperation mit Instituten in den USA und den Niederlanden und erklärte meine akademische Karriere Ende 2018 für beendet.

Schwerpunkt Entwicklungszusammenarbeit

Angeregt durch die Freiheiten des universitären Umfelds und neugierig auf die Welt, engagierte ich mich neben der Promotion intensiv in der Entwicklungszusammenarbeit, mitbegründete eine entsprechende Organisation und verbrachte in Summe fast ein ganzes Jahr in verschiedenen Ländern des südlichen Afrikas. Im Wesentlichen zählten dazu Vorlesungsreihen an der Eduardo Mondlane Universität in Maputo/Mosambik und verschiedene studentische Entwicklungs- und Bauprojekte in  Südafrika und Sambia.

Trainer und Coach

Natürlich war es keine ad-hoc Entscheidung, die akademische Karriere zu beenden. Diese Idee hatte sich über einen längeren Zeitraum entwickelte und ich hatte parallel meine ersten Ausbildungen zum Trainer gemacht (ich habe eine Fitness Trainer A Lizenz, eine Triathlon Trainer C Lizenz und eine Weiterbildung zum Ernährungsberater). Da mich aus Sicht des Coachings und vor dem Hintergrund meiner eigenen Sportkarriere das Zusammenspiel von Körper und Geist besonders interessieren, stellt meine Ausbildung zum Neurosystemischen Körpertherpeuten/-coach bei Rolf Krizian einen wesentlichen Grundpfeiler meiner Coachtätigkeit dar. Seit Ende 2018 studiere ich zusätzlich im Master-Fernstudium Arbeits- und Organisationspsychologie.

Ein paar innere Prozesse dazu

Soweit die wesentlichen Stationen. Viele dieser Entscheidungen waren selbstverständlich von intensiven inneren Reflektionsprozessen begleitet, andere Entscheidungen hingegen “lagen auf dem Weg” und ich habe sie wie selbstverständlich getroffen. Zurückblickend möchte ich sogar meinen, dass die wesentlichen Wendepunkte aus mehr oder weniger zufälligen Impulsen von außen entstanden sind. Keiner dieser Impulse war plan- oder absehbar und diese Einschätzung enspricht vollständig der Vorstellung des komplexen, dynamischen Systems, in dem kleine, wie zufällig auftretende Abweichungen, exponentiell wachsende Änderungen zur Folge haben (siehe Coachingansatz).

Kontrolle und Loslassen

Plötzlich ist nach solchen Impulsen alles anders, wobei wir es retrospektiv gerne als Ergebnis akribischer Planung wahrnehmen. Diese Sichtweise wirft natürlich eine Frage auf: Bleibt dabei die Planbarkeit des Lebens auf der Strecke und sind wir im Grunde lediglich ein Stück Treibholz, das unkontrollierbar den Gezeiten ausgesetzt ist? Meine Antwort ist: Ja und nein, wobei ich “unkontrollierbar” streichen würde. Masterpläne, die das halbe Leben umfassen, sind selten umsetzbar und befriedigen nach meiner Auffassung eher ein Bedürfnis nach (scheinbarer) Sicherheit. Gleichzeitig können und sollen wir uns natürlich Ziele setzen (das halte ich für extrem wichtig) und können diese auch erreichen. Der Weg dorthin mag aber manchmal überraschend anders verlaufen, als gedacht. Und auf diesem Weg lohnt es sich, den Blick gelegentlich schweifen zu lassen und die Augen offen zu halten, um all die wie zufälligen Potenziale, die uns auf dem Weg begegnen, auch erkennen zu können. Um dabei die ursprünglichen Ziele vielleicht auch loszulassen und sich neu zu orientieren. Der Blick will aber geübt sein, um das Lohnenswerte vom weniger lohnenswerten trennen zu können. Um es mit Heinz von Förster, einem frühen Kybernetiker und Konstruktivist, zu sagen: Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird.

Etwas konkreter

Da ich der Überzeugung bin, dass Coaching zu einem großen Teil von der Sicht des Coaches auf die Welt getragen ist, werde ich hier ein einige innere Prozesse zu meinem Werdegang beispielhaft reflektieren. Das hilft womöglich, diese etwas abstrakten Gedanken mit konkreten Vorstellungen zu füllen. Meine äußeren Beweggründe, die (jahrelang forcierte) akademische Karriere zu beenden, sind damit zu erklären, dass es mit der zunehmenden Spezialisierung auf psychologische Fragestellungen praktisch unmöglich wurde, an einer Ingenieurfakultät eine reguläre Professur zu erhalten – dieses Thema ist dort schlicht nicht vorhanden. Gleichzeitig hätte es eine formale grundständige Ausbildung erfordert, um an einer Psychologiefakultät unterzukommen. Also kam die Zeit der tiefen Reflektion: Was ist die Schnittmenge zwischen dem, von dem ich vermutete, dass es mich glücklich macht, und dem, bei dem ich davon ausging, dass es auch umsetzbar bzw. erreichbar ist (man könnte das psychologisch z.B. als Erwartungs-Wert-Abschätzung bezeichnen). Im Laufe der letzten Jahre der akademischen Karriere wurde diese Schnittmenge immer kleiner, bildlich gesprochen rückten die Wände der Schnittmenge immer weiter aufeinander zu und engten den Handlungspielraum ein.

Prävention von Burn-out

Eine typische Variante ist in solchen Situationen, einfach mehr Energie zu investieren. Also mehr vom Gleichen. Oder nach Paul Watzlawick: “Mehr vom gleichen Falschen”, also das Gleiche tun und dabei ein anderes Ergebnis erwarten. Es geht viel Energie verloren und endet schnell im Burn-out. Menschen vor dieser Erfahrung zu bewahren, ist eine meiner Motivationen, mich als Coach zur Verfügung zustellen.

Was tun, wenn der Spielraum zu eng erscheint?

Gegen Ende der akademischen Karriere war diese Schnittmenge also praktisch Null, die formalen Möglichkeiten ausgeschöpft. Was in solchen Situation helfen kann, ist, wie oben beschrieben, den Blick zu weiten, die bisherigen Perspektiven zu hinterfragen, die Haltung womöglich anzupassen. Damit ändert sich nicht das objektiv Erreichbare in dem konkreten Problembereich. Aber es löst sich im Idealfall die Fixierung auf das unerreichbare Ziel, womit neue attraktive Ziele ins Blickfeld geraten und plötzlich auch Möglichkeiten entstehen. Das braucht Mut und Vertrauen in sich und in die Welt, birgt aber sehr viel Potenzial für Lebenszufriedenheit. Das Glück liegt selten in den Dingen selber, sondern darin, was wir in ihnen sehen – oder ihnen ihnen zu sehen beschlossen haben.

Sport und Zielstrebigkeit

Ich habe im Alter von 8 Jahren mit dem Wettkampfschwimmen begonnen und war semierfolgreich – kein C-Kaderathlet, aber ernsthafter Sport neben der Schule. Ende der 80er wechselte ich dann zum Triathlon, der damals noch weit entfernt von der heutigen Popularität war. In diesem Sport war ich bis zur Langdistanz aktiv, gab aber die Idee, als Profiathlet meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, zugunsten meines Studiums und vor dem Hintergrund wiederkehrender Verletzungen Mitte der 90er auf. Nach den ersten Berufsjahren nahm ich den Sport wieder auf und seit dem betreibe ich alle drei Disziplinen von Jahr zu Jahr abwechselnd aber immer wettkampforientiert. Die Ziele sind immer noch ehrgeizig, allerdings haben Gesundheit, die Perspektive, mit Sport alt werden zu können und ein freundschaftliches Verhältnis zu meinem körperlichen Ich erheblich an Bedeutung gewonnen.

Das Erreichen von Zielen

Wettkampfziele zu erreichen, erfordert Planung und Beharrlichkeit, keine Frage. Beharrlichkeit ist dabei eine Eigenschaft, die man erlernen kann. Diese Beharrlichkeit verstehe ich allerdings weniger als ein tägliches, kräftezehrendes Bemühen, der Bequemlichkeit zu entkommen. Vielmehr können sowohl Beharrlichkeit als auch Bequemlichkeit als zeitlich stabile Zustände verstanden werden. Im synergetischen Verständnis (siehe auch Coachingansatz) wären es dann Attraktoren für das System. Aus dieser Perspektive besteht also das Ziel darin, die Potenziallandschaft des Systems so zu ändern, dass sich Beharrlichkeit als stabiler Zustand einstellen kann.

Der Anspruch kann auch mit veränderten Vorzeichen bestehen. Nicht die Bequemlichkeit ist der typische Attraktor (Glaubenssatz, Verhaltensmuster, usw.), sondern die Beharrlichkeit, bei der die inneren Antreiber das System über die eigenen Grenzen hinweg bis zur Erschöpfung oder eben zum Burn-out führen. Aber auch Bequemlichkeit kann dann erlernt werden.

Erstrebenswert ist es meiner Ansicht nach, ein Gespür dafür zu entwickeln, was gerade richtig für einen selber ist – Energie investieren oder Erholung – und in der Lage zu sein, situationsgerecht in diese Attraktoren überzugehen.

Sport als Blaupause der Lebensgestaltung

Die Parallelen zum “echten Leben” sind erkennbar? Es ist gut von A nach B kommen zu wollen und es ist auch gut, dafür eine Strategie zu haben und Energie zu investieren, um Widerstände zu überwinden. Aber es ist eben auch gut, immer mal wieder reflektierenden Abstand einzunehmen und zu prüfen, ob Weg, Ziel und Bedürfnisse noch zueinander passen. Sport kann dafür ein Übungs- und Experimentierfeld, oder einfach nur ein Weg zur Selbstreflektion sein.